Es ist kaum zu überlesen, wie viel rund um das Thema Psychotherapie in den Medien diskutiert wird. Schon heute warten Menschen teilweise drei bis sechs Monate auf einen Therapieplatz. Manchmal scheint es kaum noch möglich zu sein, überhaupt einen Platz auf einer Warteliste zu bekommen. Von ländlicheren Gegenden möchte ich dazu gar nicht erst anfangen. Mit den aktuellen Veränderungen, die ab 2027 die psychotherapeutische Versorgung betreffen, nehmen auch die Diskussionen und die Verunsicherung weiter zu. Viele Menschen haben die Sorge, künftig überhaupt keinen Therapieplatz mehr zu bekommen.
Was macht das mit Menschen, die gerade Hilfe suchen?
Viele schauen sich nach Alternativen um. Manche informieren sich im Coachingbereich, andere überlegen, ob sie eine Therapie privat bezahlen können, sofern sie sich das leisten können.
Und genau deshalb möchte ich an dieser Stelle etwas klarstellen: Coaching ist keine Psychotherapie. Und ein Coach kann keine Psychotherapie ersetzen.
Was kann Coaching und was kann Coaching nicht?
Coaching bedeutet Hilfe zur Selbsthilfe. Wir können Menschen im Coaching dabei begleiten, Entscheidungen zu treffen, persönliche und berufliche Herausforderungen zu bewältigen, neue Perspektiven zu entwickeln und ihre eigenen Handlungsmöglichkeiten zu erkennen.
Wir können beispielsweise gemeinsam schauen, wie sich der Alltag besser strukturieren lässt, welche Veränderungen mehr Raum für Erholung schaffen oder wie jemand wieder mehr Energie für die eigenen Vorhaben gewinnen kann.
Auch bei beruflichen Entscheidungen kann ein Coaching unterstützen. Vielleicht hinterfragt jemand schon länger die eigene berufliche Situation. Vielleicht ist der Job mit einer dauerhaften Überforderung verbunden, die eigene Lebensqualität leidet und die Frage nach einer beruflichen Neuorientierung wird immer drängender.
Solche Fragen können Coachingthemen sein. ABER Coaching hat Grenzen.
Wenn eine psychische Erkrankung gemäß ICD-Code vorliegt, kann diese nicht durch einen Coach behandelt werden. Eine Depression ist dafür ein Beispiel. Auch bei anderen psychischen Erkrankungen oder einer akuten Gefährdung von Leib und Leben braucht es die jeweils geeignete medizinische, psychotherapeutische oder psychiatrische Unterstützung.
Das gehört nicht zum Leistungsangebot meines Coachings. Das muss ich so klar sagen. Das sollte jeder Coach mit Verantwortungsbewusstsein so klar sagen.
Wer eine solche Behandlung benötigt, sollte sich an entsprechend qualifiziertes medizinisches Fachpersonal wenden. Coaching darf eine notwendige Behandlung weder ersetzen noch verzögern. Ein Coach darf kein heilversprechen abgeben.
Und was ist, wenn ein psychisch erkrankter Mensch ein Coaching benötigt?
Nehmen wir an, jemand leidet unter einer psychischen Erkrankung und benötigt therapeutische Unterstützung. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob die eigene berufliche Situation noch die richtige ist. Vielleicht möchte die Person herausfinden, welche beruflichen Veränderungen möglich wären, welche Entscheidungen anstehen oder welche nächsten Schritte sinnvoll sind.
Die Behandlung der Erkrankung gehört in die entsprechenden fachlichen Hände. Die berufliche Entscheidungsfindung kann dagegen ein eigenständiges Coachinganliegen sein.
Das eine schließt das andere nicht grundsätzlich aus.
Voraussetzung ist, dass das Coachinganliegen klar abgegrenzt werden kann und die Begleitung im konkreten Fall fachlich vertretbar ist. Coaching ist dann eine mögliche Ergänzung, aber kein Ersatz für eine notwendige Therapie.
Auch eine Begleitung während der Wartezeit auf einen Therapieplatz kann bei einem geeigneten, eigenständigen Coachinganliegen sinnvoll sein. Entscheidend ist, worum es konkret geht und welche Unterstützung die Person tatsächlich benötigt.
Wo liegen die Grenzen?
Nicht immer ist auf den ersten Blick erkennbar, ob jemand Unterstützung bei einer persönlichen Herausforderung benötigt oder ob hinter dem Anliegen eine behandlungsbedürftige psychische Erkrankung steht.
Wenn jemand beispielsweise davon erzählt, dass die Energie fehlt, der Alltag kaum noch zu bewältigen ist oder Entscheidungen immer schwerer fallen, können dahinter ganz unterschiedliche Ursachen liegen. Umso wichtiger ist es, genau hinzuschauen, Fragen zu stellen und die eigenen fachlichen Grenzen zu kennen. Ein Erstgespräch kann helfen, das Anliegen einzuordnen und zu klären, ob Coaching dafür geeignet ist.
Und wenn eine akute Gefährdung besteht, ist Coaching nicht der richtige Ort, um diese Situation allein aufzufangen. Dann muss geeignete professionelle Hilfe hinzugezogen werden.
Auch bei der Auswahl eines Coaches lohnt es sich deshalb, genau hinzuschauen. Wer verspricht, psychische Erkrankungen zu behandeln oder Depressionen zu heilen, sollte die dafür erforderliche Qualifikation und rechtliche Befugnis nachweisen können.
Warum mir diese Abgrenzung besonders wichtig ist
Ich begleite Menschen bei persönlichen und beruflichen Fragestellungen. Dabei ist es mir wichtig, transparent zu sein und klar zu benennen, was ich anbieten kann und wo meine Grenzen liegen. Für mich gehört genau das zu verantwortungsvollem Coaching.
Ich führe den akademischen Grad Master of Arts in Wirtschaftspsychologie. Das beschreibt meine Qualifikation, ist aber keine Approbation als Psychotherapeutin und keine Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde. Gerade deshalb ist es mir wichtig, dass Menschen meine Qualifikation richtig einordnen können. Ich möchte nicht, dass jemand den Titel liest und daraus ableitet, ich könnte psychische Erkrankungen behandeln. Ich möchte damit zwar auch nicht meine psychologische Expertise kleinreden. Ich habe Wirtschaftspsychologie studiert und bringe dieses Wissen in meine Coachingarbeit ein aber ich bin keine Psychotherapeutin und kann demnach keine Behandlungen dahingehend anbieten.
Es geht nicht darum, Menschen mit ihren Herausforderungen allein zu lassen. Es geht darum, ihnen die Unterstützung anzubieten, die zu ihrem Anliegen passt. Gerade in einer Zeit, in der Menschen Schwierigkeiten haben, einen Therapieplatz zu finden, halte ich diese Klarheit für besonders wichtig. Wenn Menschen aus Sorge vor langen Wartezeiten nach Alternativen suchen, sollten sie wissen, was sie von meinem Coaching erwarten können. Und natürlich auch generell was ein Coaching leisten kann und was nicht. Deshalb wünsche ich mir, dass jeder Coach die eigenen Grenzen kennt und transparent damit umgeht. Damit jeder Mensch die Hilfe und Unterstützung bekommt, die diese Person braucht.
Coaching kann viel bewegen. Aber es kann nicht alles leisten.
Und genau deshalb ist es mir wichtig, diese Unterscheidung klar zu benennen und damit Verantwortung zu übernehmen. Bei Fragen hierzu, kontaktiert mich gerne.

